Im Eiltempo durchs Deutschbuch
FULDA „So schnell, wie Shevan Al Khalil war noch niemand“, sagt Mechthild Bleuel, Assistentin der Geschäftsführung des Inlingua Trainingscenters Fulda. Al Khalil war der Erste, der seine Bewerbung um ein Stipendium für sprachliche Aus- und Weiterbildung abgegeben hatte – gleich am Tag nachdem es vorgestellt worden war.
„Während die anderen noch fragten, was sie genau machen müssten, hat Shevan nicht lange gefackelt“, sagt Bleuel, vom Engagement des 25-jährigen „Vorzeigemigranten“ beeindruckt.
Und nicht nur sie ist fasziniert, wie schnell der Syrier Deutsch gelernt hat und sich für seine Freunde einsetzt. Auch die Jury von Inlingua Deutschland, die das Stipendium vergab, war fasziniert. Shevan Al Khalil bekam eines von zwei Stipendien im Wert von je 4000 Euro, die ausschließlich in die sprachliche Ausbildung investiert werden. Um diese hatten sich 276 Mitstreiter aus ganz Deutschland beworben. „Ich hatte eben viel Glück“, sagt Al Khalil bescheiden. Doch seine Betreuerin winkt ab: „Das war kein Glück. Ihr Können und Ihr Engagement hat überzeugt“, sagt sie.
Seit Juni 2007 ist der 25-Jährige in Fulda. Er ist seiner Frau gefolgt, die er zuvor per Internet kennen gelernt hat. „Das war lustig. Zuerst haben wir uns auf Englisch geschrieben, weil wir nicht wussten, woher der andere kam. Und dann stellte sich heraus, dass sie aus meinem Heimatdorf Kamischli stammt und seit 13 Jahren in Fulda lebt“, sagt er und grinst. Im September 2006 war Hochzeit, dann warteten die beiden auf Shevans Visum, bevor Al Khalil im Juni 2007 nach Fulda zog.
„Umgangssprachlich schon sehr fit“
Rasch baute er sich einen Freundeskreis auf und besuchte einen Integrationskurs im Inlingua Trainingscenter. „Sie werden es nicht glauben, Deutsch lerne ich fast ausschließlich in der Schule“, sagt er, und nur sein Akzent verrät, dass er nicht in Deutschland geboren wurde. Auch die Rede in Stuttgart, wo er sein Stipendium entgegen genommen hat, hatte der Mann mit dem Sprachtalent fast fehlerfrei vorgetragen.
„Umgangssprachlich ist Shevan schon sehr fit“, erklärt Mechthild Bleuel. Jetzt müsse er noch Wirtschaftsdeutsch und Deutsch lesen und schreiben lernen, denn der 25-Jährige hat vor, ein BA-Studium zu machen. „Ich interessiere mich sehr für den Einzelhandel“, sagt Al Khalil, der in Syrien Abitur und Ausbildung zum Röntgenassistenten machte. „Darauf habe ich aber jetzt keinen Bock mehr.“
Aber Shevan hat Lust auf Deutschland. „Ich will hier leben und arbeiten. Die Sprache gehört da einfach dazu“, sagt er. Er kenne viele, die hier seit einigen Jahren wohnen und kaum Deutsch sprechen. „Das kann ich einfach nicht verstehen“, sagt der junge Mann, der von sich behauptet sehr ehrgeizig zu sein. „Und sehr hilfsbereit“, fügt Mechthild Bleuel hinzu.
Mit einem Freund, der kaum Deutsch spreche, sei er einmal auf Arbeitssuche gegangen, und er habe nicht locker gelassen, bis dieser tatsächlich einen Job gefunden hatte. Nicht zuletzt deswegen habe er auch das Stipendium bekommen. „Da werden nicht nur Deutschkenntnisse berücksichtigt, sondern auch das soziale Engagement“, erklärt Bleuel, die dem Sprachschüler gerade hilft, ein Praktikum zu suchen. „Bis zum Fortgeschrittenen-Deutschkurs sind es noch ein paar Monate. Bis dahin will ich unbedingt arbeiten“, sagt Shevan Al Khalil.
Von Ute Fiedler


